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Nachlass als ein Mittel der Zukunftsgestaltung

Das Testament.
Substanz für kommende Generationen



Wer Werte aufbaut und zusammenträgt, hat ein natürliches Interesse daran, dass das Geschaffene sich mehrt, in den Händen der nachfolgenden Generationen Stoff für künftige Erfolge ist und neues Lebensglück begründet. Die umsichtige Regelung des Testaments ist die Schlüsselhandlung in der generationsübergreifenden Vermögensentwicklung.

Keine unnötigen Lasten aufbürden

Den Nachlass geklärt zu übergeben, sollte beginnen, lange bevor das Leben ausklingt.
Auch steuerliche Gesichtspunkte und die Wahrung des familiären Vermögens können dafür sprechen, dass der Erblasser oder die Erblasserin mit der Übertragung an die künftigen Erben schon im besten Alter anfängt. Neben den steuerlichen Vorteilen ermöglichen Schenkungen auch die Verfügung über das Vermögen ganz nach persönlichen Vorstellungen; erbliche Pflichtteile etc. gelten hier nicht. Schenkungen sind in dieser Hinsicht ein beispielhaftes Instrument zur strategischen Gestaltung der Vermögensentwicklung.

 

Üblicherweise setzen Überlegungen jedoch erst ein, wenn Ereignisse eintreten, die an Endlichkeit gemahnen und betroffen machen. Es gibt Millionen Gründe, das Leben zu lieben. Und nur einen, den Tod zu fürchten: Wir wissen nicht, was dann sein wird. Uns ist aber bewusst, dass die Personen, die wir zurücklassen, am menschlichen Verlust nicht leicht zu tragen haben. Und es ist offenkundig, dass wir ihnen eine Last aufbürden, wenn wir "ungeordnete Verhältnisse" hinterlassen.

Loslassen. Bewusst gestalten

Das Erbe zu regeln, wird in unserem Land, das Weitsicht und methodisches Vorgehen eigentlich hoch hält, überraschend zurückhaltend praktiziert. Das Verfassen eines Testaments erinnere an die persönliche Vergänglichkeit, heißt es dann, und das Thema Tod meide der moderne Mensch wie der Teufel das Weihwasser. Wirklich überzeugend ist diese Erklärung nicht; wir alle sind zu realistisch, als dass wir die Möglichkeit des Sterbens so rigoros ausblenden würden.
Machen uns eventuell viel kleinere Probleme zu schaffen? Immerhin: Die Vorstellung, alles vollkommen loszulassen und in andere Hände zu übergeben, nötigt uns große Überwindung ab, ob wir in dem Fall, den wir imaginieren, nun tot oder nur völlig machtlos wären: Als geborene Menschen der Tat widerstrebt es uns zutiefst, uns frei in Passivität fallen zu lassen.
Freunde der Philosophie und der Religionswissenschaften merken zurecht an, dass das Loslassen, schon zu Lebzeiten, von den Mystikern des Christentums ebenso empfohlen wurde, wie schon vom Buddhismus und vom Daoismus des Laozi, rund sechshundert Jahre vor Christi Geburt. Die einen wie die anderen verweisen darauf, dass dieses Loslassen die Sicht auf das Leben klärt und bereichert und die seelische Kraft des Menschen stärkt.
Wem es liegt, der kann das Verfassen eines Testaments als Anlass nehmen, sich von aufdringlich-alltäglichen Details zu lösen und das Bewusstsein für die Relativität des Daseins zu intensivieren. Die Auseinandersetzung kostet zunächst Überwindung, entspannt dann aber sehr.


Über das eigene Leben hinaus gestalten

Das Testament ist jedoch mindestens so sehr ein Instrument des pragmatischen Menschen, der seine Welt sinnvoll und klug gestalten möchte. Über das eigene Leben hinaus. Er hinterlässt damit ein Zeichen der Widmung und des Verantwortungsbewusstseins. Und er verhindert Konflikte zwischen den Hinterbliebenen, die lange anhalten und Familien zerrütten können.
Die Beziehung zu anderen Menschen spielt bei der Regelung des Nachlasses meistens eine vorrangige Rolle. Im günstigen Fall kann man sich auf Personen konzentrieren, denen man sich verbunden fühlt. Oft ist das Bedürfnis groß, mit dem Erbe Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen. Jüngeren Menschen signalisiert der Vererbende, dass er sich dem künftigen Lebensbogen des Erben widmet und ihm Freude, Zuversicht und Kraft mit auf den Weg geben möchte. Wer vererbt, wirkt in diesem Sinn positiv auf die Zukunft anderer Menschen ein und wächst über sich hinaus.
Als Brennstoff für bloß kurzweiligen Konsum verstehen sie den Nachlass meistens nicht. Auch kleinere Summen sollen wenigstens zu Erlebnissen führen, an die sich die Empfänger dauerhaft gerne erinnern werden. Erblasser erleben es mit Fug und Recht als wertvoll, wenn sie sich der Frage widmen, wie sie geliebte Menschen durch ihre Hinterlassenschaft fördern werden.


Rahmenbedingungen für erfüllte Erben

Dabei ist es bei allem guten Willen nicht immer einfach, Gutes zu bewirken. Manche Erben sind überfordert, den Nachlass mit langfristiger Perspektive zu handhaben. Je größer der Nachlass ist, umso höher sind die Hürden, die auf dem Weg zum anhaltenden Glück stehen.
In einigen Fällen ist das Vermächtnis zu komplex für die Erben. Immobilien mit Mietwohnungen verlangen spezielle Kenntnisse und Führungsgeschick. Unternehmensbeteiligungen können für Laien, ganz gleich welchen Alters, ohne Wirtschaftskompetenz eine deprimierende Erfahrung werden.
Zur Regelung des Nachlasses gehört deshalb dazu, Rahmenbedingungen zu schaffen, die sichern, dass die Erben mit der Hinterlassenschaft keinen Schiffbruch erleiden. Es werden zum Beispiel Formen gewählt, die den Erben von schwieriger Vermögensverwaltung befreien; Nießbrauch und Nachlass-Auszahlungen auf Rentenbasis gehören dazu. Bei Unternehmensbesitz und Beteiligungen werden oft Treuhand-Partner eingesetzt, die im Namen des Erben die Geschicke des Unternehmens überwachen und steuern. Bei Nachlässen, die aus verschiedenen Vermögenswerten bestehen und längerfristig fachkompetent betreut werden müssen, werden gerne Testamentvollstrecker als Vertrauensperson eingesetzt. Sie verwalten den Nachlass zum Schutz der Erben und im Geist des Erblassers. Häufig moderieren sie die Erbengemeinschaft und vermitteln in Konflikten.


Zwist und Unstimmigkeiten überwinden

Wenn unter den Erben Personen sind, mit denen der Erblasser in einem nachhaltig angespannten Verhältnis steht, ist dies ein gewichtiger Grund mehr, das Testament frühzeitig anzugehen. Gärende persönliche Zwiste mit ins Sterben zu nehmen, belastet diese schwierige, empfindliche Lebenssituation in manchmal fast unerträglicher Weise. Auch, weil Ruhe und Kraft für eine Aussöhnung fehlen, entsteht ein sinnloser Lösungsdruck, dem sich keine der involvierten Personen entziehen kann.
Schwerwiegende Konflikte gehen meistens auf Kränkungen zurück, die eigentlich keiner beabsichtigte, nachdem sie geschehen waren aber auch von niemandem revidiert, sondern "stolz durchgefochten" wurden. Da die beteiligten Personen allein oft nicht in der Lage sind, die inzwischen eingeübten Muster zu durchbrechen, haben wir gute Erfahrungen mit Mediation gemacht. Aber auch hier gilt, wie bei kontroversen geschäftlichen Verhandlungen: Wer Gespräche mit Zeitdruck eröffnet, verlockt den "Gegner" dazu, kurzsichtig auf persönliche Vorteile zu pochen.
In besonders verfahrenen Situationen gelingt die Aussöhnung bisweilen nicht mehr. Eventuell muss der Erblasser dann gegenüber einem Erben alle erbrechtlichen Optionen nutzen, um dessen Anteil zu beschränken. Es gibt durchaus wirkungsvolle Waffen dafür. Aber die rechtlichen Auseinandersetzungen, die dadurch ausgelöst werden, verderben auch den anderen Erben das Glückserleben, dass der Erblasser sie selbst großzügig bedacht hat. Wenn der Nachlass als eine Stärkung für eine gute Zukunft der Erben verstanden werden soll, ist der Erbstreit eine Enttäuschung für alle.
Langfristige Orientierung und frischer Mut bei der Testament-Entwicklung sind folglich besonders wichtig, wenn die persönlichen Konstellationen emotional belastet sind. Bedachtes und psychologisch kluges Vorgehen kann überraschende Lösungen erschließen.


Das Vermächtnis in künftige Zeiten tragen

Wer ein Lebenswerk zu übergeben hat, dem er ideell tief verbunden ist, steht vor noch weiterreichenden Herausforderungen. Als Unternehmerin oder Unternehmer muss man die Führungsnachfolge so früh einsetzen, dass sie erkennen können, wie sich die neue Kraft bewährt und mit welchen Maßnahmen Defizite ausgeglichen werden können.
Nicht selten muss sich ein Unternehmen in einem anspruchsvollen Prozess "neu finden", wenn zum Beispiel die Gründer das Haus verlassen und ein anderer Unternehmensgeist entsteht.
Manche Frauen, manche Männer haben ihr Leben lang an einer Idee, einer Sache gearbeitet, die sie beflügelte und deren Fortsetzung sie unbedingt erhoffen – oft auch wegen der Mitstreiter, die viel eingebracht und bedeutende Sachkenntnis aufgebaut haben. Zum Teil sind es dann ausgerechnet die Erben, die keinen Sinn für das Vermächtnis mitbringen und den Nachlass dann aus mangelndem Respekt bisweilen buchstäblich "zerlegen". Werden sie das wirklich tun? Niemand weiß es. Die Erblasser möchten ihnen die Gewissensentscheidung nicht aufbürden.
Für sie suchen wir dann Lösungen, die dem Lebenswerk eine dauerhaft autonome Existenz sichern. Eine Stiftung kann ein geeignetes Modell sein, das Lebenswerk unabhängig von Einflüssen zu machen, die dem Geist des Stifters nicht entsprechen würden.
In dieser Art und Weise haben Erblasser vielfältige Möglichkeiten, ihren Nachlass als ein Mittel der Zukunftsgestaltung zu verwenden. Dazu blicken sie über ihren natürlichen Zeithorizont hinaus und entwickeln Konzepte, die eine langfristige Vermögensentwicklung fördern und zugleich die Lebensvorstellungen der Erben unterstützen.