Eine Tax Due Diligence ist kein nettes Zusatzmodul zur Financial Due Diligence, sondern oft der Bereich, in dem sich die teuersten Altlasten verstecken. Wer sie im Mittelstand weglässt oder zu spät anstößt, riskiert, steuerliche Haftungen zu übernehmen, die erst Jahre nach dem Closing sichtbar werden.
Tax Due Diligence – das Wichtigste in Kürze
- Eine Tax Due Diligence untersucht die steuerliche Situation eines Zielunternehmens und identifiziert Risiken, Chancen und Strukturthemen vor dem Erwerb.
- Im Fokus stehen insbesondere steuerlich noch änderbare Veranlagungszeiträume, Betriebsprüfungen und anhängige Verfahren, die Steuer-Compliance sowie Umsatzsteuer, Lohnsteuer und Verrechnungspreise.
- Bei einem Share Deal können wirtschaftliche Belastungen aus steuerlichen Altlasten wirtschaftlich beim Käufer landen; identifizierte Risiken können über Kaufpreisanpassungen, Escrow-Lösungen, spezielle Steuerfreistellungen oder Garantien adressiert werden.
- Eine Vendor Tax Due Diligence hilft Verkäufern, bekannte Schwächen vor Prozessbeginn zu erkennen, Datenräume vorzubereiten und Diskussionen im Bieterprozess proaktiv zu steuern.
Tax Due Diligence: Warum das Thema oft unterschätzt wird
Viele M&A-Prozesse im Mittelstand fokussieren sich stark auf Umsatzqualität, EBITDA, Working Capital und Cashflow. Steuerliche Altlasten laufen dagegen häufig unter dem Radar – obwohl gerade sie nach einem Share Deal wirtschaftlich beim Käufer landen können.
Das ist der eigentliche blinde Fleck: Betriebsprüfungen kommen oft zeitverzögert, Veranlagungszeiträume bleiben lange offen, und steuerliche Risiken werden in einer klassischen Financial Due Diligence (FDD) regelmäßig nicht in derselben Tiefe geprüft wie finanzielle Risiken. Genau deshalb ist die Tax Due Diligence (TDD) keine Formalie, sondern ein eigenständiger Risikocheck mit unmittelbarer Relevanz für Kaufpreis, Garantien und Freistellungen.
Was eine Tax Due Diligence leistet
Eine Tax Due Diligence untersucht systematisch die steuerliche Situation eines Zielunternehmens und identifiziert Risiken, Chancen und Strukturthemen vor dem Erwerb. Im Fokus stehen insbesondere steuerlich noch änderbare Veranlagungszeiträume, offene oder abgeschlossene Betriebsprüfungen, anhängige Verfahren, die Qualität der Steuer-Compliance und besondere Risikobereiche wie Umsatzsteuer, Lohnsteuer oder Verrechnungspreise.
Die TDD beantwortet nicht nur die Frage, ob das Unternehmen bislang „irgendwie“ Steuern erklärt hat. Sie zeigt, wo stille Steuerlasten schlummern, welche Positionen angreifbar sind und welche Punkte im Kaufvertrag sauber abgesichert werden sollten.
Wichtig zu wissen: Die Financial Due Diligence erklärt, wie profitabel ein Unternehmen ist. Die Tax Due Diligence zeigt, welche steuerlichen Altlasten Sie miterwerben.
Drei typische steuerliche Risikofelder
1. Betriebsprüfungsrisiken: Die Altjahre sind nicht erledigt
Gerade im Mittelstand sind lange prüfungsfreie Zeiträume nichts Ungewöhnliches. Das klingt zunächst unkritisch, bedeutet aber oft, dass mehrere Jahre noch offen sind und eine spätere Betriebsprüfung entsprechende Nachzahlungen, Zinsen und Diskussionen auslösen kann.
Typische Risikofelder sind unklare Sachverhalte bei Gesellschafter-Geschäftsführern, fehlerhafte lohnsteuerliche Behandlung, unzureichend dokumentierte Betriebsausgaben, gewerbesteuerliche Hinzurechnungen oder nicht sauber abgegrenzte Rückstellungen. Was einzeln beherrschbar wirkt, kann über mehrere Jahre schnell zu einem relevanten Kaufpreisrisiko werden.
Ohne saubere TDD wird aus einem unauffälligen Altjahr schnell eine teure Überraschung nach dem Closing.
2. Intercompany-Transaktionen: Verrechnet heißt noch nicht verteidigt
Sobald mehrere Gesellschaften im Spiel sind – national oder international – werden Intercompany-Leistungen steuerlich heikel. Konzerninterne Lieferungen, Management Fees, Darlehen oder Lizenzvergütungen müssen dem Fremdvergleichsgrundsatz entsprechen: also so ausgestaltet sein, wie unabhängige Dritte es vereinbaren würden.
In der Praxis fehlt häufig genau das, was später verteidigungsentscheidend ist: eine belastbare Verrechnungspreisdokumentation und eine konsistente Herleitung der angewandten Preise. Wenn die Finanzverwaltung hier Korrekturen vornimmt, drohen Ergebnisanpassungen, Steuernachzahlungen und zusätzliche Belastungen – für den Käufer besonders unangenehm, weil die Ursache oft vor seinem Einstieg liegt.
In der Praxis stoßen wir in mittelständischen TDDs an dieser Stelle fast immer auf dieselben drei Schwächen: historisch gewachsene Leistungsverrechnungen ohne klare Vertragsbasis, nicht dokumentierte Gesellschafter- oder Schwesterngesellschaftsbeziehungen und Preislogiken, die operativ gewachsen sind, steuerlich aber nicht belastbar begründet wurden.
3. Verlustvorträge und Strukturthemen: Chancen, die sich in Luft auflösen können
Nicht jedes TDD-Thema ist ein reines Risiko. Auch steuerliche Vermögenswerte wie Verlustvorträge oder bestimmte Strukturvorteile gehören auf den Prüfstand, weil sie durch den Eigentümerwechsel ganz oder teilweise entfallen können.
Wer einen später nicht nutzbaren Steuervorteil im Kaufpreis berücksichtigt, bezahlt für einen Vorteil, der sich nicht realisieren lässt. Deshalb prüft eine TDD nicht nur Belastungen aus der Vergangenheit, sondern auch, ob vermeintliche Tax Assets wirtschaftlich überhaupt realisierbar sind.
Warum die Financial Due Diligence dafür nicht ausreicht
Viele Entscheider gehen davon aus, dass steuerliche Themen in einer FDD bereits „mitlaufen“. Das ist nur begrenzt richtig. Die FDD schaut primär auf Ergebnisqualität, Cash Conversion, Bilanzrelationen und Plausibilität der Finanzzahlen – steuerliche Detailfragen werden meist nur insoweit erfasst, wie sie im Zahlenbild direkt sichtbar sind.
Genau dort liegt die Lücke. Offene Betriebsprüfungsjahre, Verrechnungspreisdokumentationen, Lohnsteuer- und Umsatzsteuer-Compliance oder die Nutzbarkeit von Verlustvorträgen verlangen einen anderen Prüfungsansatz und echte Steuerexpertise. Wer diese Themen nur am Rand miterfasst, übersieht regelmäßig genau die steuerlichen Haftungsrisiken, die später kaufpreisrelevant oder haftungsträchtig werden.
Was das konkret für Käufer und Verkäufer bedeutet
Für Käufer liefert die TDD die Grundlage, um Risiken sauber zu quantifizieren und in die Deal-Dokumentation zu übersetzen. Werden Risiken belastbar identifiziert, können sie über Kaufpreisanpassungen, Escrow-Lösungen, spezielle Steuerfreistellungen oder Garantien adressiert werden.
Für Verkäufer ist eine Tax Due Diligence ebenfalls strategisch sinnvoll. Sie hilft, bekannte Schwächen vor Prozessbeginn zu erkennen, Datenräume sauber vorzubereiten und Diskussionen im Bieterprozess proaktiv zu steuern – statt sich von Käuferberatern in eine defensive Position drängen zu lassen.
Gerade im Mittelstand ist das ein echter Hebel. Viele Transaktionen scheitern nicht an der Grundlogik des Deals, sondern an Unsicherheit, Tempoverlust und Misstrauen in der späten Prüfungsphase. Eine gut vorbereitete steuerliche Sicht reduziert genau diese Reibung.
Was ACCONSIS in der Tax Due Diligence konkret leistet
Wir arbeiten in der TDD mit einem strukturierten, risikoorientierten Prüfungsansatz. Das bedeutet: Wir analysieren den Steuerstatus der relevanten Jahre, priorisieren die wirklich dealrelevanten Themen, übersetzen Feststellungen in wirtschaftliche Konsequenzen – und verzahnen die Ergebnisse mit FDD, Kaufvertrag und Verhandlungsstrategie.
Das zeigt sich besonders dort, wo Zahlen und Steuern ineinandergreifen: bei Gesellschafterstrukturen, konzerninternen Leistungsbeziehungen, atypischen Finanzierungslösungen, umsatzsteuerlichen Sonderkonstellationen oder ungeklärten Betriebsprüfungsthemen.
Typische Leistungen in einer mittelständischen TDD:
- Analyse offener Steuerjahre und laufender oder abgeschlossener Betriebsprüfungen
- Prüfung der Verrechnungspreisdokumentation und Fremdvergleichskonformität
- Steuer-Compliance-Check (Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer, Umsatzsteuer, Lohnsteuer)
- Nutzbarkeit von Verlustvorträgen und steuerlichen Strukturvorteilen nach dem Erwerb
- Übersetzung steuerlicher Risiken in Vertragssprache: Freistellungen, Escrow, Garantiekataloge
- Vendor Tax DD: Aufbereitung der steuerlichen Situation vor Prozessbeginn aus Verkäuferperspektive
Für Entscheider zählt am Ende nicht nur, dass Risiken „gefunden“ werden. Entscheidend ist, dass sie priorisiert, wirtschaftlich eingeordnet und verhandlungsfähig aufbereitet werden – bevor sie im Kaufvertrag zur Haftungsfrage werden.
Die eigentliche Frage lautet nicht, ob ein Steuerrisiko existiert – sondern ob es früh genug erkannt wird, um Kaufpreis, Struktur und Vertrag
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Bereiten Sie gerade einen Deal vor – auf Käufer- oder Verkäuferseite?Oder merken Sie in der Prüfungsphase, dass steuerlich mehr auf dem Spiel steht als gedacht?
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Ihr ACCONSIS-Ansprechpartner

Bastian Regenhardt
Master of Science
Wirtschaftsprüfer
Prokurist der ACCONSIS
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Häufig gestellte Fragen zu Tax Due Diligence
Was prüft eine Tax Due Diligence im Mittelstand typischerweise?
Typischerweise prüft sie offene Steuerjahre, Betriebsprüfungsstände, Steuer-Compliance, Verrechnungspreise, Verlustvorträge, besondere Strukturthemen und wesentliche Risiken in Steuerarten wie Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer, Umsatzsteuer und Lohnsteuer.
Ab wann lohnt sich eine TDD?
Sie lohnt sich nicht erst bei Großtransaktionen. Schon im unteren bis mittleren einstelligen Millionenbereich kann ein einzelnes ungeklärtes Steuerthema wirtschaftlich größer sein als das eingesparte Prüfungsbudget.
Reicht eine FDD mit etwas Steuerblick nicht aus?
In einfachen Fällen mag ein grober Steuerüberblick genügen. Sobald aber mehrere Gesellschaften, Intercompany-Beziehungen, offene Prüfungsjahre oder besondere Steuerthemen vorliegen, reicht das regelmäßig nicht aus.
Warum sind Verrechnungspreise so oft ein Problem?
Weil konzerninterne Preise zwar operativ schnell festgelegt sind, steuerlich aber dokumentiert und fremdüblich begründet werden müssen. Genau diese Dokumentation ist in gewachsenen Mittelstandsgruppen häufig lückenhaft oder inkonsistent.
Wann ist eine Vendor Tax DD sinnvoll?
Immer dann, wenn der Verkäufer die steuerliche Situation proaktiv aufbereiten will – um Diskussionen im Bieterprozess zu steuern, Datenräume vollständig vorzubereiten und zu verhindern, dass der Käufer steuerliche Unsicherheiten als Preishebel nutzt.
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